Sind Marihuana-Geschäfte bald ein alltäglicher Anblick in Kraichgau? 

Wer in den letzten Jahren einmal in Los Angeles, Las Vegas oder New York war, dem sind unweigerlich die zahlreichen Marihuana-Geschäfte aufgefallen, die dort zum Stadtbild gehören. In Sinsheim oder Eppingen ist so ein Anblick undenkbar – noch, denn die Pläne zur Legalisierung des Genussmittels nehmen auch hierzulande an Fahrt auf. Vielleicht machen auch hier schon bald in der Fußgängerzone die ersten Dispensarys, wie die Marihuana-Shops in den USA genannt werden, auf. Diese Entwicklung macht vielen Einwohnern Sorgen. Sind die Vorbehalte der Bürger berechtigt? 

Pläne zur Legalisierung 

Grüne, FDP und Teile der SPD werben schon seit Jahren für eine Freigabe von Marihuana als Genussmittel. Nun machen sie ernst: Schon bei den Koalitionsverhandlungen wurde die Freigabe des Hanfs vereinbart. Der Wille zur Durchsetzung des Vorhabens besteht anscheinend nicht nur auf Papier: SPD-Cannabisexperte Karl Lauterbach kündigte kürzlich an, dass noch in diesem Jahr ein Gesetzesentwurf vorgelegt würde, schon Ende 2023 könnte die Reform in Kraft treten. Sowohl der Anbau als auch der Handel mit Cannabis sollen dann legal sein, werden allerdings an eine staatliche Lizenz geknüpft. Erwachsene sollen bis zu 30 Gramm Cannabis kaufen dürfen, der Konsum in der Öffentlichkeit bleibt aber weiterhin verboten. 

Medizinischer Nutzung 

Aus Sicht der Regierung stellt die Legalisierung einen großen Fortschritt für die öffentliche Gesundheit dar. Denn obwohl klinische Studien noch in den Kinderschuhen stecken, hat Marihuana offenkundig großes medizinisches Potential. Das wird durch die Informationen deutlich, die Marihuana-Datenbanken wie Cannaconnection gesammelt haben. Schon jetzt verordnen Ärzte jedes Jahr tausenden von chronisch kranken Patienten Marihuana und Hanfextrakte zu therapeutischen Zwecken. Viele von ihnen berichten, dass die pflanzliche Medizin ihnen Linderung verschafft, nachdem alle anderen Medikamente versagt haben. Und obwohl es Nebenwirkungen gibt, fallen sie geringer aus als bei vielen herkömmlichen Behandlungsmethoden. Die Legalisierung dürfte es Betroffenen noch leichter machen, an medizinisches Marihuana zu kommen. 

Wirtschaftliche Vorteile 

Die Legalisierung von Marihuana könnte auch handfeste wirtschaftliche Vorteile für den Kraichgau mit sich bringen. Leerstehende Geschäfte in der Innenstadt könnten wieder vermietet werden und die Einnahmen der Kommunen aus der Gewerbesteuer stützen. Und sowohl im Einzelhandel als auch in der Landwirtschaft könnten neue Arbeitsplätze entstehen. In den USA und Kanada macht sich dieser Effekt schon jetzt bemerkbar. Bundesweit könnte die Legalisierung sogar noch mehr Geld in die Staatskasse spülen: Analysten rechnen mit einem Plus von zwei bis fünf Milliarden Euro jährlich, das unter anderem durch eine Sondersteuer auf Cannabis eingebracht wird. 

Gesellschaftliche Vorteile 

Bei allen medizinischen und wirtschaftlichen Vorteilen zählt für die meisten Bürger ein anderer Aspekt, nämlich die sozialen Auswirkungen der Legalisierung. Viele von ihnen sind besorgt, dass die Legalisierung von Marihuana zu einer Zunahme des Drogenkonsums und der Kriminalität führen könnte. Daten aus den USA und Kanada nehmen diesen Befürchtungen jedoch den Wind aus den Segeln. Dort nahm der Konsum von Marihuana bei Jugendlichen nach der Legalisierung ab. Und auch die Kriminalität ging zurück, da der Markt auf der Straße einbrach. Alles in allem überwiegen dort die Vorteile der Legalisierung die Nachteile – und es ist wahrscheinlich, dass sich in Deutschland ein ähnliches Bild einstellt. 

Veröffentlicht am 3. Juni 2022, 13:57
Kurz URL: https://kraichgau-lokal.de/?p=328814 

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