Aus ehemaligem Gefängnis entsteht ein neuer Treffpunkt in Mühlbach
Rathauskeller wird mit viel Eigenleistung zur Begegnungsstätte umgebaut – historische Bausubstanz bleibt erhalten
Wo einst Gefangene untergebracht waren, soll künftig Gemeinschaft gelebt werden: Der historische Rathauskeller in Mühlbach nimmt zunehmend Gestalt an. Derzeit wird das Gefängnis zu einer modernen, zugleich aber denkmalgerecht gestalteten Begegnungsstätte umgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Räume für öffentliche Veranstaltungen, Vereinsarbeit und unterschiedliche gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden können.
Bereits im November 2024 hatte der LEADER-Verteilerausschuss die Förderung des Projekts bewilligt. Für die Sanierung sind insgesamt Kosten von rund 130.000 bis 140.000 Euro vorgesehen. Bei einem Besichtigungstermin konnten sich die Projektverantwortlichen gemeinsam mit der Lokal-presse nun ein Bild vom aktuellen Stand der Arbeiten machen.
Historischer Charakter bleibt erhalten
In den vergangenen Wochen hat sich auf der Baustelle einiges bewegt. Direkt am ehemaligen Haupteingang entsteht derzeit ein Podest, das künftig als kleine Bühne genutzt werden kann. Gleichzeitig ermöglicht die Konstruktion einen ebenerdigen Zugang zur Begegnungsstätte.
Auch bei der Elektroinstallation sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Neue Leitungen wurden sowohl im Boden als auch in eigens dafür geschaffenen Schlitzen in den historischen Sandsteinwänden verlegt. Die Eingriffe in die Bausubstanz werden anschließend fachgerecht wieder geschlossen. Gerade bei diesen Arbeiten zeigt sich, wie anspruchsvoll es ist, die Anforderungen einer modernen Nutzung mit dem Erhalt des historischen Gebäudes zu verbinden.
Eine besondere Lösung wurde auch beim Bodenbelag gewählt. Zum Einsatz kommen Vollziegel, die aufgrund des möglichen Feuchtigkeitseintrags im Sandsteinmauerwerk besonders geeignet sind. Gleichzeitig fügen sie sich optisch gut in das historische Ambiente ein. Die Ziegel werden im traditionellen Fischgrätverband verlegt – ein Großteil dieser Arbeiten ist inzwischen abgeschlossen. Auch die Fliesenarbeiten im Sanitärbereich konnten bereits fertiggestellt werden.
Rund 25 Helfer packen mit an
Das Projekt ist allerdings weit mehr als eine klassische Sanierung. Schon während der Bauarbeiten entsteht genau das, was später Mittelpunkt der neuen Räumlichkeiten sein soll: Gemeinschaft im alten Gefängnis.
Rund 25 Helferinnen und Helfer engagieren sich derzeit mit großem persönlichem Einsatz für die Begegnungsstätte. Viele Arbeiten werden in Eigenleistung erledigt. Dabei bringen die Beteiligten nicht nur ihre Zeit, sondern auch handwerkliches Können, Erfahrung und viel Liebe zum Detail ein.
„Das eigentliche Ziel, einen Ort für Begegnung und Gemeinschaft zu schaffen, ist eigentlich schon jetzt erreicht“, sagt Ortsvorsteher Jörg Fundis, der die Maßnahme federführend begleitet.
Denn auf der Baustelle entstehen neben den neuen Räumen auch neue Kontakte. Menschen, die zuvor kaum Berührungspunkte hatten, arbeiten gemeinsam, tauschen Erfahrungen aus und bringen ihre jeweiligen Fähigkeiten ein. Besonders wertvoll ist dabei die handwerkliche Expertise innerhalb der Helfergruppe. Erfahrene Handwerker geben ihr Wissen und ihre Fertigkeiten nach dem Prinzip der „alten Schule“ weiter.
Gute Zusammenarbeit mit Stadt und Denkmalamt
Die Projektbeteiligten betonen zudem die enge und unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Auch die Abstimmungen mit dem Denkmalamt verliefen nach ihren Angaben reibungslos. Dies galt insbesondere für die notwendigen Eingriffe in die historischen Sandsteinwände und die damit verbundenen Wanddurchbrüche.
Damit wird deutlich: Bei der Sanierung geht es nicht darum, die Geschichte des Rathauskellers zu überdecken. Vielmehr soll der historische Charakter bewahrt und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung ermöglicht werden.
Drei Räume für Veranstaltungen und Vereine
Nach Abschluss der Arbeiten stehen insgesamt drei restaurierte Räumlichkeiten zur Verfügung. Sie sollen künftig öffentlichen Veranstaltungen, Vereinen und gemeinschaftlichen Aktivitäten einen passenden Rahmen bieten.
Damit entsteht mitten in Mühlbach ein neuer Treffpunkt, der die Ortsmitte beleben und zugleich einen Beitrag zur weiteren Entwicklung des Stadtteils leisten soll. Aus einem Ort, dessen ursprüngliche Funktion von Gefangenschaft geprägt war, soll so ein offener Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Engagement werden.
Finanziert wird das Projekt auch mit Mitteln der Europäischen Union. Die LEADER-Förderung beträgt maximal 70.308 Euro, abhängig von den tatsächlich entstehenden Baukosten. Unterstützt wird damit die Zusammenarbeit der Menschen vor Ort sowie die Initiierung, Organisation und Umsetzung von Projekten zur nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum. Die Maßnahme leistet damit einen Beitrag zum Ziel einer dynamischen ländlichen Entwicklung im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland.
Foto: Stadt Eppingen




























