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Einweihung der Trauerbank

20. April 2026 | Allgemeines, Das Neueste, Wiesloch

Trauerbank

Neue Trauerbank auf dem Hauptfriedhof Wiesloch: Ort der Begegnung und des Zuhörens

Auf dem Hauptfriedhof in Wiesloch ist ein besonderer Ort für Trauernde entstanden: Eine neu eingerichtete Trauerbank mit mehreren Sitzmöglichkeiten im Bereich des Birkenhains lädt dazu ein, innezuhalten, zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Initiiert wurde das Projekt von der Ökumenische Hospizhilfe Südliche Bergstraße, die dabei auf breite Unterstützung der Stadt Wiesloch traf.

Gemeinsam geplant und gestaltet

Die Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung. Martina Molitor und Matthias Degen begleiteten die Planung ebenso wie Johann Schweigler, der bei der Stadtgärtnerei für die Friedhöfe zuständig ist. Gemeinsam wurde ein geschützter und zugleich offener Bereich geschaffen, der den Bedürfnissen trauernder Menschen gerecht wird.

„Ein Ort mit offenem Ohr“

Bei der Einweihung betonte Bürgermeister Ludwig Sauer die besondere Bedeutung des Projekts: Die Trauerbank stehe sinnbildlich für ein „offenes Ohr“ – für das Zuhören, das Mitfühlen und das Miteinander ins Gespräch kommen.

Als die Ökumenische Hospizhilfe vor rund zwei Jahren mit ihrer Idee auf die Stadt zukam, habe man sofort ein offenes Ohr gehabt. Gemeinsam sei der passende Ort ausgewählt und als Platz der Trauer und Begegnung gestaltet worden. Besonders freute sich der Bürgermeister darüber, dass zahlreiche Mitglieder der Hospizhilfe zur Einweihung gekommen waren. Sein Dank galt stellvertretend der Vorsitzenden Anne Böhler sowie dem gesamten Team der Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter.

Passend zur Trauerbank entstand zudem die Idee eines Kunstwerks: eine Skulptur des „offenen Ohres“, die gemeinsam mit der Bank ein stimmiges Gesamtbild bildet.

Begleitung für Trauernde

Für Anne Böhler unterstreicht der neue Ort die wichtige Aufgabe der Hospizhilfe:
„Wir alle wissen, wie unterschiedlich sich Trauer äußern kann.“ Die Organisation begleite nicht nur Sterbende, sondern auch deren Angehörige – oft weit über den Tod hinaus. Die Trauerarbeit nehme dabei einen immer größeren Stellenwert ein.

15 qualifizierte Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter stehen derzeit zur Verfügung. Einige von Ihnen bieten von April bis Oktober jeweils am ersten und dritten Mittwoch im Monat vor Ort Gespräche an. Das Angebot ist bewusst niederschwellig gehalten: Jeder kann sich dazusetzen, zuhören oder selbst sprechen – mit den Begleitenden oder auch mit anderen Trauernden.

„Menschen brauchen Menschen, die ein offenes Ohr haben“, so Böhler. Die neue Trauerbank schaffe dafür einen würdevollen Rahmen – einen Platz, an dem Austausch entstehen kann und niemand mit seiner Trauer allein bleiben muss.

Ein Ort, der immer offensteht

Auch außerhalb der festen Termine kann die Trauerbank jederzeit genutzt werden. Sie lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen, Erinnerungen nachzugehen oder spontan mit anderen ins Gespräch zu kommen. Hinweise zu den Gesprächsangeboten sind im Schaukasten des Friedhofs vor Ort zu finden.

Kunstwerk „Offenes Ohr“ als Symbol für Zuhören und Verstehen

Ein zentrales Element des neu geschaffenen Ortes ist die Skulptur „Offenes Ohr“ des Wieslocher Bildhauers Daniel Wolf. Die aus fränkischem Jura-Kalkstein gefertigte Arbeit greift das Thema des Zuhörens auf, das bereits in der Planungsphase im Mittelpunkt stand.

Die naturnahe Gestaltung orientiert sich deutlich am menschlichen Ohr, lässt jedoch bewusst Raum für eigene Interpretationen. In der Entwurfsphase entstand zunächst ein Tonmodell, das anschließend im Maßstab 4:1 in Stein umgesetzt wurde. Die Formensprache ist geprägt von geschwungenen, konvexen und konkaven Linien, die das Aufnehmen von Schall symbolisieren und zugleich eine lebendige, beinahe bewegte Wirkung erzeugen.

Auch das Material selbst trägt zur Aussagekraft bei: Der Jura-Kalkstein, entstanden vor rund 140 bis 220 Millionen Jahren in tropischen Meeren, enthält fossile Spuren wie Ammoniten und verweist damit auf natürliche Prozesse des Hörens und Wahrnehmens.

Das „offene Ohr“ steht sinnbildlich für das Zusammenspiel von Hören, Verstehen und innerem Gleichgewicht. Es verweist auf die Bedeutung des Dialogs – denn eine offene Gesellschaft lebt vom Zuhören und vom Austausch. Gerade an einem Ort wie dem Friedhof, an dem sowohl stille Gedanken als auch echte Gespräche ihren Platz haben, gewinnt dieses Symbol besondere Tiefe. Ermöglicht wurde die Umsetzung des Projekts ausschließlich durch die großzügige Unterstützung und Spendenbereitschaft aus der Wieslocher Bevölkerung.

Mit der neuen Trauerbank und der Skulptur ist in Wiesloch ein Ort entstanden, der über das reine Verweilen hinausgeht: ein Platz des Zuhörens, der Begegnung und der gelebten Mitmenschlichkeit.

Foto: Stadt Wiesloch

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