Theaterstück „Niemandsland“ erinnert in Bruchsal an die Deportation nach Gurs
Mit dem Ein-Personen-Stück „Niemandsland“ erinnert die Stadt Bruchsal an die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Baden und der Pfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Schauspieler Tino Leo präsentiert das Theaterstück am Montag, 16. November 2026, um 20 Uhr in der Aula der Handelslehranstalt Bruchsal.
Am 22. Oktober 1940 ließ das NS-Regime die bereits entrechtete und gedemütigte jüdische Bevölkerung aus Baden und der Pfalz nach Gurs deportieren. Die Aktion war eine der ersten großen Massendeportationen von Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich. Ihr organisatorischer Ablauf diente später als Vorbild für weitere Deportationen. Auch mehr als 80 Menschen aus Bruchsal verloren damals ihre Heimat. Für viele von ihnen endete der Leidensweg später in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern im Osten Europas.
In seinem neu konzipierten Stück lässt Tino Leo die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven lebendig werden. In unterschiedlichen Rollen vermittelt der Schauspieler das persönliche Erleben der betroffenen Menschen und eröffnet damit einen eindringlichen Zugang zu diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.
„Niemandsland“ ist ein Auftragswerk des Kuratoriums der Länder Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz. Leo, der die Schauspielschule Mainz leitet, entwickelt und schreibt seine historischen Theaterstücke selbst. Dafür recherchiert er ausführlich, um die historischen Ereignisse möglichst fundiert darzustellen.
Seinen Ansatz bezeichnet Leo als „Histotainment“ – eine Verbindung der Begriffe „History“ und „Entertainment“. Mit seinen Inszenierungen möchte er historische Zusammenhänge vermitteln und zugleich das Bewusstsein für die Demokratie stärken.
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Die Aufführung findet am Montag, 16. November, um 20 Uhr in der Aula der Handelslehranstalt, Gebäudekomplex C, Stadtgrabenstraße 1, in Bruchsal statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten ist eine Anmeldung erforderlich.
Interessierte können sich per E-Mail an kultur@bruchsal.de oder telefonisch unter 07251 79-531 beziehungsweise 07251 79-183 anmelden.
Foto: Die Deportation der Bruchsaler und Kraichgauer Juden am Bahnhof am 22. Oktober 1940 ist festgehalten auf einer einminütigen Filmsequenz mit dem Titel „Bruchsal judenfrei!“
Vorlage und Reproduktion: Stadtarchiv Bruchsal




























