„Niemandsland“: Bewegendes Theaterstück über die Deportation badischer Juden
Schauspieler Tino Leo bringt am 16. November in Bruchsal ein neues Ein-Personen-Stück auf die Bühne. Das Auftragswerk der Länder Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz erzählt von der Deportation badischer Juden nach Gurs im Oktober 1940. Die landesweite Erstaufführung findet in der Aula der Handelslehranstalt statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich.
Ein unscheinbares Notizbuch wird zum Ausgangspunkt einer bewegenden Reise in die Vergangenheit: Bei einer Haushaltsauflösung entdeckt ein Mann ein Notizbuch, das einer Frau namens Sarah Blumenthal gehörte. Was zunächst wie ein zufälliger Fund erscheint, öffnet den Blick auf ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte – eine Zeit, in der Menschen ihrer Heimat, ihrer Freiheit und ihrer Würde beraubt wurden.
Mit seinem neu konzipierten Ein-Personen-Stück „Niemandsland“ widmet sich der Schauspieler Tino Leo der Deportation der badischen Juden nach Gurs im Oktober 1940. Auf Einladung der Stadt Bruchsal ist die Inszenierung am Montag, 16. November, um 20 Uhr in der Aula der Handelslehranstalt, Gebäudekomplex C, Stadtgrabenstraße 1, zu sehen.
In seinem Stück lässt Tino Leo zahlreiche Figuren und Schicksale lebendig werden. Das Publikum begegnet Tätern, Mitläufern, Verzweifelten und Menschen, die trotz der unmenschlichen Umstände zu helfen versuchen. Dazu gehören ein Gauleiter, ein Lokführer, der lieber wegschaut, ein alter Mann, der im Schlamm versinkt, und ein Schleuser, der Verfolgten die Flucht über die Pyrenäen nach Spanien ermöglichen möchte.
Auch das Leben der Internierten im Lager wird eindrücklich thematisiert. In einer Kulturbaracke versuchen Menschen mit Kabarettvorführungen für kurze Zeit dem Elend zu entkommen. Eine Krankenschwester kämpft um die Rettung von Kindern, während ein jüdischer Arzt versucht, jedes einzelne Menschenleben zu bewahren.
All diese Rollen übernimmt Tino Leo selbst. Er lässt unterschiedliche Stimmen, Perspektiven und persönliche Schicksale aufeinandertreffen und schafft so ein vielschichtiges Theatererlebnis. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Verfolgung, Schuld, Menschlichkeit und dem Verhalten des Einzelnen in unmenschlichen Zeiten.
Das Stück ist ein Auftragswerk des Kuratoriums der Länder Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz. Unter der Regie von Götz Brandt erlebt „Niemandsland“ in Bruchsal seine landesweite Erstaufführung. Ziel der Inszenierung ist es, das persönliche Erleben der betroffenen Menschen nachvollziehbar zu machen und einen eindringlichen Zugang zu diesem schmerzhaften Kapitel deutscher Geschichte zu eröffnen.
Geschichte auf der Bühne erlebbar machen
Tino Leo ist Leiter der Schauspielschule Mainz. Seine Theaterstücke, in denen er historische Ereignisse aufgreift, konzipiert und schreibt er selbst. Dafür recherchiert er ausführlich, um die historischen Hintergründe und wichtigen Zusammenhänge möglichst umfassend zusammenzutragen.
Seinen Ansatz bezeichnet er als „Histotainment“ – eine Verbindung der Begriffe „History“ und „Entertainment“. Mit seinen Inszenierungen möchte er Geschichte durch Schauspiel vermitteln und zugleich das Verständnis für Demokratie stärken.
Informationen und Anmeldung
Die Aufführung von „Niemandsland“ findet am Montag, 16. November, um 20 Uhr in der Aula der Handelslehranstalt Bruchsal, Gebäudekomplex C, Stadtgrabenstraße 1, statt.
Der Eintritt ist frei. Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Anmeldungen nimmt die Stadt Bruchsal per E-Mail an kultur@bruchsal.de oder telefonisch unter 07251 79-531 sowie 07251 79-183 entgegen.
Foto: Histotainment, Tino Leo




























