Archäologische Funde in Eschelbronn – Ambelwiesen II

Archäologische Funde in Eschelbronn – Ambelwiesen II

Richtig gelesen – archäologische Funde in Eschelbronn! Bekannt sind Ausgrabungen aus der Antike, wie an der Kleinasiatischen Küste – Troja von Heinrich Schliemann, in Rom, Athen, Ägypten, aber auch in Deutschland! Immer wieder hört man davon, nimmt kurz Notiz oder erfährt davon, weil Bauarbeiten aus solchen Grünen eingestellt werden mussten. Nicht aber hier in Eschelbronn, Dank eines Hobby-Archäologen und ehrenamtlichen Mitarbeiters des Landesamtes für Denkmalschutz (LAD), Günter Kress aus Meckesheim.
Herr Kress, des des öfteren am Neubaugebiet Ambelwiesen II in Eschelbronn vorbeigefahren ist und dabei interessiert die Baustelle „begutachtete“! „Wenn gegraben wird, kommt so manches Mal unwahrscheinliches ans Tageslicht!“ Bekannterweise, sollte etwas derartiges gefunden werden, kommt das Verursacher-Prinzip zum Tragen. Also kann man da sehr schnell „schlafende Hunde“ wecken. 
Hier ein kleiner Auszug aus dem Protokoll, verfasst von Dr. Sven Jäger, Referat und Dienstsitz Karlsruhe …
– unbekannte Fundstelle bei Erschließungsarbeiten im Juni 2019 im Eschelbronner NBG Ambelwiesen II gemeldet
– September 2019 erste Voruntersuchung, um Qualität & Quantität der archäologischen Funde beurteilen zu können
– mit 2-3 Meter breiten, durch Großbagger angelegte Suchschnitten wurden zahlreiche Bodenverfärbungen freigelegt, die    auf Pfostengruben, Pfostengebäude und Zaunreihen und damit z.B. auf Getreidespeicher hinwiesen
– zugehöriges Fundmaterial, z,B. Keramikscherben, datiert meist in die frühe Eisenzeit, sog. Hallstattzeit
– daneben zwei größere Strukturen, die wie wenige andere Gruben in die römische Kaiserzeit einzuordnen sind
– die ersten Schnitte brachten einen Brunnen und einen Kalkbrennofen aus dem 2./3. Jhrt n. Chr. zum Vorschein
– die jüngsten Befunde datierten in die Neuzeit, wohl aus dem 18./19. Jahrhundert, u.a. ein verklapptes Pferd, dessen     Skelettreste geborgen wurden  
– die archäologisch relevanten Bereiche rund um Brunnen und Kalkbrennofen festgelegt, sollten durch folgende   Ausgrabungen flächig untersucht werden
– Ende Oktober bis Ende November 2019 grub eine private Ausgrabungsfirma, durch den Erschließungsträger beauftragt, diese  Bereiche aus, dokumentierte die freigelegten Funde, die vorwiegend aus der römischen Zeit stammten
– der Fokus richtete sich auf Brunnen und Kalkbrennofen, der schrittweise geschnitten und abgetieft wurde
– der gut erhaltene Kalkbrennofen war ringsum mit Kalksandsteinen verkleidet und halbkugelig im Boden eingetieft, befeuert wurde der Ofen über einen Schürkanal von einer Bediengrube aus, der Ofen wurde als 3D-Modell dokumentiert 
– neben diesen beiden Objekten wurden keine weiteren Indizien der römischen Nutzung im Areal entdeckt, man gehe davon aus, dass die Ansiedlung in der näheren Umgebung gelegen haben muss (BG Ambewiesen I)
– überraschend war allerdings die große Anzahl an Funden aus der Frühalamannenzeit, die man in den oberen Verfüllschichten beider Befunde antraf. Somit wurde eine nachrömische Ansiedlung in der Umgebung belegt“

Sicher ein nicht ganz uninteressantes Thema für Menschen, die sich mit solchen „alten Steinen “ befassen, was aber bemerkenswert ist, auch hier bei uns gibt es Zeitzeugen vergangener Kulturen.

Das haben wir am Interesse der Bevölkerung der Umgebung miterleben können. Auch bekannte „Größen“ aus dem öffentlichen Leben haben wir unter den Gästen von Bürgermeister Marco Siesing wahrnehmen können.
So zum Beispiel Markus Prien, Geschäftsführer der MVV Regioplan GmbH oder Alfred Ehrhard, Vorstandsvorsitzender der Klimastiftung für Bürger (Klima Arena). 
Sicher hat der aufmerksame Betrachter die „Schlammschicht“ bemerkt. Das rührte vom vergangenen Donnerstag, als ein kurzer Starkregen niederging und „Ambelwiesen II“ zu einem kleinen See werden ließ. Uns wurden von einem Anwohner Video-Clips gezeigt, die nicht schön anzusehen waren. Bürgermeister Siesing versicherte mit den Betroffenen im Austausch zu sein und gab uns gegenüber zu verstehen, dass diese Situation nach Beendigung der Umlegungsmaßnahmen kein Grund zur sorge mehr bestehen werde! Alles gut!
Ach ja, zu den Kosten der „Ausgrabungsaktion“, die nicht unerheblich sind – wie bereits kurz erwähnt – Verursacherprinzip, also Erschließungsträger, die Gemeinde und am Ende die „Baugrundstücks-Erwerber! 🙁

Abschließend noch ein kleiner Rundum-Blick auf Ambelwiesen II – ein historischer Ort früh-kulturellen Lebens.

Vielen Dank für die Einladung zu diesen außergewöhnlichen Termin. 

Text & Fotos: Hans Joachim Janik

Veröffentlicht am 21. Juni 2020, 13:28
Kurz URL: https://kraichgau-lokal.de/?p=304082 

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