„Kleinbürgerhochzeit“ von Bert Brecht gespielt vom „Theater im Bahnhof“ Dielheim …

„Theater im Bahnhof“ Dielheim … sehenswerte Premiere der „Kleinbürgerhochzeit“ von Brecht

Bert Brechts „Kleinbürgerhochzeit“ inszeniert von Uschi Barth, gespielt vom Ensemble des „Theater’s im Bahnhof“ Dielheim, im trüben Novemberwetter ein erheiternder Lichtblick!

Berthold Brecht, Medizin und Philosophiestudent zum Anfang des 20. Jahrhunderts, der sich als Gelegenheitsjournalist sein Brot verdiente und nebenbei auch Stücke fürs Theater schrieb, erstellte 1919 fünf Einakter, darunter „Die Hochzeit“, die 1926 in Frankfurt am Schauspielhaus uraufgeführt wurde. Er selbst erweiterte den Titel später zu „Kleinbürgerhochzeit“ – ein Blick in das ganz normale Leben und dabei hat sich so manches „nicht“ verändert.
Lustig, komisch, verletzend, zum Teil angeberisch, chaotisch und frivol peppig, eben wie sich das Zusammenleben auch heute, nach 100 Jahren gestalten kann, das gesamte Spektrum wurde abgedeckt.
Uschi Barth, bekannt aus der „Sinsheimer Theaterkiste“ hat dieses Stück inszeniert, dabei ihre „Akzente“ gesetzt , farblich und „modisch“! Die Darsteller, allesamt schon „profihaftes“  Auftreten, denke ich an das Rezitieren einer Ballade von einem Freund des Hauses (Horst Huth) der sich in einer Form präsentierte, die man als ausgezeichnet  beschreiben kann.

Inhaltsüberblick:
Eine Hochzeit, bislang immer als eine „weisse“ Angelegenheit betrachtet und durchaus auch ganz „normal“ gefeiert, erlebt in diesem Stück eine völlig andere Darstellung. Bunt auf die Farbe bezogen, unterhaltend, was den Brauttanz betrifft, Walzer – nicht nur und dann nicht mit dem Bräutigam (Nico Wagenblass). Von diesem selbstgebaute Möbel, die sich Dank „schlechtem“ Leim im Laufe der Feier in Einzelteile auflösen und dadurch zur Misskreditierung seiner Person führen, ein Saufgelage zum „Kabeljau in Kerbelsoße“ dazu vom Brautvater (Edgar Greulich) Appetit-vernichtetnde Geschichten erzählt, in der Öffentlichkeit ausgetragene „Eheprobleme“ (Edgar Sauer & Sabine Rachel), die auch den Bräutigam so richtig blos stellt. Die Braut (Sara Lee Holzmeier), die ihrem Mann mit gespieltem Stolz auf seine Leistungen, bezüglich dem Möbelbau, in den Rücken fällt oder das Ebenbild der Schwiegermutter (Petra Köhler), um Sauberkeit und Sparsamkeit bemüht, als auch die Schwester der Braut (Hristina Wagner) und Ihr Freund  (Tobias Behner), die Beiden nur um Unterhaltung und eigentlich Zweisamkeit bemüht, spielten ihre Rollen authentisch bis zum Ende des Stückes, wo man sogar die komplette Zerstörung des „Haushalts“  erleben darf, worauf sich die gesamte Gesellschaft aus dem Staube macht, die Brautleute im Chaos zurücklässt, die sich aber genau da finden, was man allgemein unter „Hochzeitsnacht“ versteht, nachdem sämtliche Reste an Rotwein „verinnerlicht“ wurden.  Diesen Teil, den 2. Akt,  „die Hochzeitsnacht „ fand im Einakter keinen Platz (Jugendschutz) 😉 so auch nicht bühnenreif darzustellen, also fiel rechtzeitig der Vorhang! 😉

Fazit: Eine tolle Inszenierung mit hervorragenden Schauspielern – ein Besuch des Stückes ist sehr zu empfehlen. Beste Unterhaltung und vielleicht kann man auch Parallelen selbst erlebter Szenen entdecken!

Text & Fotos: Hans-Joachim Janik  kraichgau-lokal.de

Veröffentlicht am 12. November 2017, 00:40
Kurz URL: http://kraichgau-lokal.de/?p=236609 

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