Ehrungsabend der Gemeinde Dielheim – Teil 2

Ehrungsabend der Gemeinde Dielheim
Blutspender Lebensretter & Staufer-Medaille im Extra-Beitrag

Zahlreiche Blutspender und ein Lebensretter standen beim 2. Ehrungsteil  im Mittelpunkt des Geschehens. „ Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Diesen Satz von Erich Kästner stammend, zitierte  Bürgermeister Thomas Glasbrenner zu Beginn seiner Laudatio, um dann mit diesen Worten fortzufahren: „Sie, meine Damen und Herren, haben genau nach diesem Motto gehandelt. Sieben haben regelmäßig Blut gespendet und damit viel Gutes getan“. Das Gemeindeoberhaupt dankte diesem Klientel in besonderem Maße und freute sich, deren Wirken einer breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Aber auch um die Wichtigkeit unserer Blutspendedienste zu dokumentieren und ins rechte Licht zu rücken. Denn in der Regel läuft ein Gang zur Spende des „Lebenssaftes“ ganz unspektakulär ab. Ohne viel Aufhebens um die eigene Person, begeben sich die Spendewilligen in das Spendelokal. Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wobei kein Journalist auf die Idee käme, eine Reportage über einen sogernannten Lebensretter zu machen. Aber unsere Gesellschaft braucht solche Menschen, die in einem gut funktionierenden Gemeinschaftssystem über den eigenen Tellerrand schauen, um anderen zu helfen, meinte Glasbrenner weiter. Verantwortungsvolle Staatsbürger, so wie Andreas Bieletzke, Sophie Blum, Daniel Friedrich, Andreas Illmer, Jochen Sauer, Dr.Matthias Schork oder Tobias Zimmermann, die alle schon zum 10. Mal Blut gespendet haben. 25 Mal nahmen Jörg Czotscher, Margarita Frey, Rüdiger Fuchs, Uwe Laier und Wolfgang Ramp die Blutspendetermine wahr. Eine stolze Leistung hatte auch Paul Blum mit 75 Spenden vorzuweisen und Wolfgang Laier stand mit 100 Spenden an der Spitze der Bereitwilligen. Allen dankte der Rathauschef recht herzlich dafür und überreichte Präsente in Anwesenheit des DRK Ortsvorsitzenden Jürgen Ritz. Dieser mußte leider über einen negativen Trend in der Spendenbereitschaft berichten, möchte sich jedoch von dieser momentanen zahlenmäßigen Schieflage nicht beeinflußen lassen und wie bisher um jede Spende kämpfen. Dafür wurde auch ihm ein Präsent vom Ortsoberhaupt zuteil.

Dann wurde es ganz ruhig im Saal. „ Wir ehren heute einen Mann aus unserer Mitte, der mutig und selbstlos gehandelt hat, um einen Menschen vor einer tödlichen Handlung zu bewahren“, so begann der Rathauschef und ergänzte weiter. „Wir ehren einen Menschen, der nicht weggeschaut, sondern eingegriffen hat. Ihr Verhalten, lieber Herr Maier, ist vorbildlich und dafür möchten wir ihnen heute danken.“

Was war geschehen, fragten sich alle Anwesenden. Der Dielheimer Mitbürger Stefan Maier befand sich im Januar des vergangenen Jahres auf dem Weg zur Arbeit. Am Busbahnhof auf  der Brücke, die über den Bahnhof in Wiesloch-Walldorf führt, war außer einer weiblichen Person niemand auf der Brücke zu sehen. In diesem Moment  stieg die Frau übers Geländer und mit seinen Gedanken woanders, wollte Herr Maier zunächst weitergehen. Er dachte, die wird schon wissen, was sie tut. Doch dann hat er innegehalten: Nein das ist nicht richtig und hat dann genau hingeschaut. Er begann ein Gespräch mit der Frau und ein hinzugekommener Helfer alarmierte die Polizei, welche die lebensmüde Person dann in Sicherheit brachte. Herr Maier hat bei dieser Aktion Zivilcourage gezeigt und einen Menschen vor dem Selbstmord bewahrt. Die immer wieder viel beschworene und oft zitierte Zivilcourage hat Stefan Maier an diesem frühen Morgen in besonderer Weise an den Tag gelegt. Für seine Entschlossenheit und von Mut und Tapferkeit geprägte Handlung dankte ihm Bürgermeister Thomas Glasbrenner. Das überreichte Präsent sollte als Ausdruck des Dankes und Hochachtung dienen. Die Dielheimer können stolz auf ihren Mitbürger sein.

Verleihung der Staufermedaille an Klaus Querbach 

Die sicherlich wohl bedeutendste  Auszeichnung des Ehrungsabends am vergangenen Freitag hatte Bürgermeister Glasbrenner gegen Ende der Veranstaltung auf dem Programm. „Ich freue mich außerordentlich, heute Abend eine Ehrung vornehmen zu können, die normalerweise den Ministerinnen und Ministern des Landes Baden-Württemberg vorbehalten ist und auf deren Vollzug wohl die meisten meiner Amtskolleginnen und Kollegen im Laufe ihrer Amtszeit wohl nicht zurückblicken können“wie das Ortsoberhaupt betonte.

 

Als Höhepunkt unseres heutigen Ehrungsabends steht eine Persönlichkeit im Rampenlicht, die sonst eher im Stillen und Verborgenen wirkt. Heute fällt der Blick auf jemanden, der sich auf die eine oder andere Weise um das Gemeinwohl über die Gemeindegrenzen und die Region hinaus verdient gemacht hat. Er praktiziert das, wovon viele andere nur reden. Er verfolgt nicht, wie manch andere, nur stur den eigenen Weg, ohne nach rechts oder links zu sehen. Er hat vielmehr hingeschaut und hingehört und vor allem hat er getan, was ihm notwendig erschien. Er hat sich dafür eingesetzt, die Lebenssituation vieler Menschen zu verbessern.

Hierfür erhält Herr Klaus Querbach aus Unterhof in diesem Jahr die Staufermedaille des Landes-Baden-Württemberg. Seit nunmehr 38 Jahren besteht mittlerweile das ehrenamtliche Engagement von Klaus Querbach für den „Kreuzbund“, einen 1896 in Aachen gegründeten gemeinnützigen und eingetragenen Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, mit seinen heute rund 1.400 bundesweiten Selbsthilfegruppen Suchtkranken und deren Angehörigen Hilfe für ein suchtmittelfreies Leben zu bieten. Der Verein gliedert sich in Diözesanverbände, die sich an den Bistümern der katholischen Kirche orientieren sowie einem Bundesverband. Der Kreuzbund ist dem Caritasverband angeschlossen. Der Diözesanverband Freiburg, dem Klaus Querbach angehört, ist die „badische“ Sektion des Kreuzbundes und mit derzeit 40 Gruppen zwischen Heidelberg und Konstanz vertreten. Klaus Querbach ist hierbei eines von etwa 3.500 Mitgliedern, die in ehrenamtlichen Funktionen deutschlandweit im Kreuzbund tätig sind. Durch sein Beispiel und sein ehrenamtliches Engagement motiviert er als selbst Suchtbetroffener bis heute andere Menschen zu ihrer Suchtgeschichte zu stehen und zeigt, dass ein abstinentes Leben neue Perspektiven eröffnen kann. Seit 1981 engagiert sich Klaus Querbach im Kreuzbund und gründete bereits 1981/82 zusammen mit seiner Ehefrau die Kreuzbundgruppe Heidelberg, die er bis heute als Gruppenleiter führt. 2003 gründete er – erneut zusammen mit seiner Ehefrau – einen alkoholfreien Tanzkreis, den er ebenso bis heute leitet und der mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen von unschätzbarem Wert für das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Verbandes ist. Auch der alkoholfreie Silvester- und Faschingsball in Heidelberg geht auf ihn zurück.

Zudem ist er seit 2002 bis heute einer von zwei Sprechern der „Regionalen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen“ in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis, einer 1989 als Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen gegründete Arbeitsgemeinschaft, die entstand, um gemeinsame Anliegen zu besprechen, anzugehen und durchzusetzen.

Staufer-Medaille an Klaus Querbach

Hierbei fungiert Klaus Querbach neben seiner offiziellen Funktion auch als „ausgleichender Pol“ bei Konflikten der Selbsthilfegruppen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft. Außerdem ist er seit 1999 bis heute ebenfalls Sprecher der mittlerweile sechs Heidelberger Kreuzbundgruppen und Ansprechpartner der Suchtkliniken. Aber auch überörtlich setzte sich Klaus Querbach vielseitig ehrenamtlich ein. Ab dem Jahre 1999 zunächst kommissarisch als zweiter stellvertretender Vorsitzender des Diözesanverbandes Freiburg aktiv, erfolgte dann im Jahre 2000 seine Wahl zum Beisitzer. Im Jahre 2003 wurde er dann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und übte das Amt bis März 2015 aus. In dieser Zeit war Klaus Querbach insbesondere zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und zeichnete sich für die Betreuung und Herausgabe der Mitgliederzeitschrift „Quo Vadis“ verantwortlich, die er auch eigenverantwortlich völlig neu gestaltete. Aus einem Mitteilungsblatt entwickelte Klaus Querbach eine hervorragend aufgemachte Verbandszeitschrift, die zu einem echten Aushängeschild für den Diözesanverband wurde. Ebenso modernisierte er den Internetauftritt des Diözesanverbandes komplett, was in der heutigen medialen Welt auch von wesentlicher Bedeutung sein kann, um zum Beispiel das Hilfeangebot interessant und attraktiv zu unterbreiten und somit das Interesse der Hilfesuchenden erst einmal zu wecken. Neben der Verantwortung für die Satzungsangelegenheiten hatte er auch die Funktion als erster Männerbeauftragter sowie als Seminarleiter und Organisator inne. In seinem gesamten Wirken ging es Klaus Querbach insbesondere darum, den Kreuzbund in Kirchengemeinden und vor Ort bekannt zu machen. Besonders wichtig war Klaus Querbach dabei jedoch auch, dass sich der Kreuzbund und die Sucht-Selbsthilfe in Suchtkliniken und auf Entgiftungsstationen präsent zeigen, um suchtkranke Menschen möglichst frühzeitig zu erreichen und für die Sucht-Selbsthilfe zu gewinnen. Erhebungen zeigen nämlich, dass gut 80 Prozent der Suchtkranken, die regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen, dauerhaft abstinent leben. Um den Zugang zu diesen Selbsthilfegruppen zu erhalten, bedarf es eines guten Informationsmanagements an die von Sucht Betroffenen. Klaus Querbach hat hierbei wesentlich dazu beigetragen, dass die Klinikarbeit im Diözesanverband Freiburg vorbildlich organisiert ist.
Durch sein eigenverantwortliches Handeln, das sich auch in der  Gründung immer neuer Initiativen wie dem genannten Tanzkreis oder der Organisation von alkoholfreien Silvesterbällen zeigt und die mit weit über dem durchschnitt gehenden großem persönlichen Einsatz umgesetzt werden, engagiert sich Klaus Querbach seit fast 40 Jahren ununterbrochen bis heute innerhalb des Kreuzbundes der Suchtprävention für andere Menschen. Dieser gesellschaftspolitisch wichtigen Aufgabe stellt sich Klaus Querbach in uneigennütziger Art und Weise und nimmt hierbei auch, insbesondere für den betroffenen Personenkreis, eine Vorbildfunktion ein. Zur Würdigung seines Engagements in der Suchthilfe und Suchtprävention verleiht das Land Baden-Württemberg Herrn Klaus Querbach die Staufermedaille, die ich nun aushändigen darf, in der Gewissheit, dass sie mit ihrer Person einem würdigen und verdienstvollen Träger gefunden hat.

Text: Paul Körner   Fotos: HJJ

Veröffentlicht am 31. Januar 2019, 12:37
Kurz URL: http://kraichgau-lokal.de/?p=276860 

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