Deutschlands Sitzvolleyballerinnen schreiben Geschichte

Deutschlands Sitzvolleyballerinnen schreiben Geschichte

Historischer Einzug ins Halbfinale mit Sinsheimer Beteiligung

Knapp ein Jahr vor den Paralympischen Spielen in Tokio fanden vom15.-20.Juli 2019 die Europameisterschaften im Sitzvolleyball in Budapest statt. Mit von der Partie war auch Salome Hermann, Sitzvolleyballerin von Anpfiff Hoffenheim. Die deutschen Damen starteten mit einem Sieg gegen Slowenien ins Turnier und gewannen auch die weiteren Vorrundenspiele gegen Kroatien und Gastgeber Ungarn souverän. Somit trafen sie als Gruppensieger im Viertelfinale auf Finnland. Durch einen 3:0-Sieg über die Finnen gelang der deutschen Frauennationalmannschaft erstmals seit ihrem Bestehen der Einzug in ein Halbfinale einer Europameisterschaft. Dieses historische Ereignis belebte einen weiteren Traum, denn der Gewinner dieses Halbfinals hatte die Möglichkeit, das letzte Ticket für ein europäisches Team zu den Spielen in Tokio 2020 zu lösen. Turnierfavorit und Weltmeister Russland hatte seine Paralympics-Teilnehme schon in der Tasche und somit würde es auch der spätere Finalgegner nach Japan schaffen.

Kontrahenten im Halbfinale der Deutschen waren die starken Italienerinnen, die in der Vorrunde den Vizeeuropameister von 2017 aus der Ukraine überraschend geschlagen hatten. Die Spielerinnen von Cheftrainer Christoph Herzog taten sich in den ersten beiden Sätzen gegen die Südeuropäerinnen schwer und konnten ihre gewohnte Leistung nicht auf die Platte bringen. Erst im dritten Satz lieferten sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch das Team aus Italien machte den Sack mit 25:23 zu und feierte nicht nur den Finaleinzug, sondern auch ihre erstmalige Teilnahme an den Paralympischen Spielen.

Das kleine Finale war ein wahrer Volleyballkrimi, bei dem der Favorit, die Mannschaft aus der Ukraine, im ersten Satz in Führung ging, nachdem die Deutschen den geringen Rückstand nicht mehr aufholen konnten. Die Spielerinnen um Mannschaftsführerin Mandy Küsel zogen zu Beginn des zweiten Durchgangs an den Osteuropäerinnen vorbei, punkteten mit einer stabilen Annahme und starken Angriffen und holten sich den zweiten Satz.Die beiden folgenden Sätze zeigten Sitzvolleyball auf hohem Niveau und waren von Kampf-und Teamgeist geprägt. Es war ein Match auf Augenhöhe, bei dem die deutschen Damen den Ukrainerinnen das Leben durch Schnellangriffe über die Mitte oderaus dem Hinterfeld schwermachten.

Zu Beginn des Entscheidungssatzes gelang es dem Team vom Schwarzen Meer, sichetwas abzusetzen und die Eigenfehler auf deutscher Seite machten eine Aufholjagd schwer. Letztendlich gewannen die Ukrainerinnen das Bronzespiel und ließenden Traum der Deutschen vom Treppchen platzen.

(25:22; 19:25; 25:23; 21:25; 15:10)

Die Sinsheimerin und Libera, Salome Hermann, blickt mit gemischten Gefühlen auf das Spiel um Platz drei zurück: „Es war großartig, vor so einer Kulisse spielen zu dürfen. Dass wir nach zwei knappen Satzrückständen den Tie-Break erkämpft haben, zeugt von unserem Leistungssprung im vergangenen Jahr und einem enormen Teamgeist. Leider wurden die Bronzemedaillen nicht uns um den Hals gehängt, das sorgte zunächst für Enttäuschung. Doch rückblickend erfüllt mich der Turnierverlauf und unsere Platzierung auf dem 4.Rang mit Freude und Stolz, denn wir haben als Mannschaft etwas noch nie Dagewesenes geschafft und ein Halbfinale gespielt.“

Co-Trainer Jürgen Vorsatz (ebenfalls aus Sinsheim) blickt nach vorne: „Wir glauben an die Mädels und was sie in Budapest geleistet haben, ist großartig. Von der „Road to Budapest“ geht’s jetzt weiter Richtung Tokio.“  Beide deutschen Teams haben über eine interkontinentale Qualifikation im März 2020 die Möglichkeit das jeweils letzte Ticket für die Paralympics im August 2020 zu lösen.

Die deutschen Herren spielten ebenfalls im EM-Halbfinale gegen die ukrainische Mannschaft und standen nach einem 3:0-Sieg auf dem Treppchen.

Die Ergebnisse der Sitzvolleyball Europameisterschaften 2019:

Damen: 1.Russland, 2.Italien, 3.Ukraine, 4.Deutschland, 5.Slowenien,6.Finnland, 7.Kroatien, 8.Ungarn, 9.Großbritannien

Herren: 1.Russland, 2.Bosnien-Herzegowina, 3.Deutschland, 4.Ukraine, 5.Kroatien, 6.Serbien, 7.Lettland, 8.Niederlande, 9.Türkei, 10.Litauen, 11.Polen, 12.Ungarn

Veröffentlicht am 27. Juli 2019, 06:22
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